{"id":287,"date":"2020-11-17T16:30:22","date_gmt":"2020-11-17T16:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/siebler-radek.de\/?page_id=287"},"modified":"2021-02-04T15:54:11","modified_gmt":"2021-02-04T15:54:11","slug":"familie-walter-radek","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/familie-walter-radek\/","title":{"rendered":"Familie Walter Radek"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1007\" aria-describedby=\"caption-attachment-1007\" style=\"width: 191px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1007\" src=\"https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-191x300.jpg\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-191x300.jpg 191w, https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-653x1024.jpg 653w, https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-768x1205.jpg 768w, https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-979x1536.jpg 979w, https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-1305x2048.jpg 1305w, https:\/\/siebler-radek.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/IMG_20201129_151616-2-scaled.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1007\" class=\"wp-caption-text\">dav<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><strong>Die Familie Radek-Nadolny<\/strong><br \/>\nwie die Ostpreu\u00dfen nach Wolfstein\u00a0 kamen. <\/span>&gt;<br \/>\n<span style=\"font-size: large;\">Ein Beispiel<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>D<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>ie<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b> Schlesier (Pohlit) nach Landau<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">(ein Artikel aus der RHEINPFALZ vom 21.11.2020)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Ein letztes Mal den kargen Hausstand zusammenpacken: F\u00fcr die Zwillingsbr\u00fcder Peter und Klaus Pohlit<br \/>\nendete eine f\u00fcnfj\u00e4hrige Odyssee der fr\u00fchen Nachkriegsjahre 1950 mit dem Eintreffen in der Pfalz. Und sie sind der neuen Heimat bis heute treu geblieben. Eine Fl\u00fcchtlingsgeschichte mit Happy End.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Anfang Februar 1945. Es ist bitter kalt Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius. Auf dem Hauptbahnhof in Breslau(heute Wroclaw, Polen) herrscht unbeschreibliches Gedr\u00e4nge, das blanke Chaos. Ruth Pohlit ergattert f\u00fcr sich und ihre zwei Buben Pl\u00e4tze im wohl letzten Zug, der Niederschlesien vor den heranrollenden russischen Truppen verl\u00e4sst &#8211; und nicht vorw\u00e4rts kommt, weil er immer wieder an \u00fcberf\u00fcllten Bahnh\u00f6fen Halt macht, sich noch mehr Menschen auf die Trittbretter und hereindr\u00e4ngen. Aus Furcht vor den Fliegerangriffen stoppt der Zug oft auf freier Strecke, nachts wird das Licht abgeschaltet. Kinder schreien. Die Fahrt nach Th\u00fcringen sollte zwei Tage dauern.<br \/>\nIrgendwie hatte es sich herumgesprochen: Die zwei s\u00fc\u00dfen blonden Zwillingsbuben haben Geburtstag,<br \/>\nwerden am Tag ihrer Flucht vier Jahre alt. Ein freundlicher Herr, Arzt, wie sp\u00e4ter zu erfahren ist, \u00f6ffnet seine Aktentasche und sagt: \u201eMal schauen, ob ich was f\u00fcr euch habe.&#8220; Zaubert ein mit Schinken belegtes Br\u00f6tchen -wohl sein ganzer Reiseproviant &#8211; hervor, teilt es und reicht Klaus und Peter je eine H\u00e4lfte.<br \/>\n\u201eHerzlichen Gl\u00fcckwunsch!&#8220; Sie trauen sich erst gar nicht zuzulangen.<br \/>\nSo beginnen die Erinnerungen an die unsteten Jahre zwischen der Flucht aus Schlesien und der Ankunft in Landau 1950, wie sie Peter und Klaus Pohlit auf knapp 50 eng beschriebenen und bebilderten Din-A4-Seiten f\u00fcr ihre Kinder und Enkelkinder konserviert haben. Aufzeichnungen, die tief ber\u00fchren. Die man sich gar als Schullekt\u00fcre vorstellen k\u00f6nnte. Und die auch die Autorin, obwohl erst sp\u00e4ter dazugesto\u00dfen. als Teil ihrer Familiengeschichte und daher sehr pers\u00f6nlich betrachtet.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein Dachzimmer in Th\u00fcringen<\/b><br \/>\nIm th\u00fcringischen Oberlind angekommen, wird Ruth mit ihren Zwillingen zun\u00e4chst in ein winziges Dachzimmer einquartiert. Dort ist es eisig kalt, und die meiste Zeit, so erinnert sich Peter, lagen wir im Bett, um nicht frieren zu m\u00fcssen. Die Mutter war oft lange abwesend, versuchte, am Bahnhof an Kartoffeln oder ein paar Briketts zu kommen.&#8220; Es ging aufs Kriegsende zu.\u201e Bei den Fliegerangriffen zitterten die W\u00e4nde, und wir weinten und schrien die ganze Zeit.&#8220;<br \/>\nWenig sp\u00e4ter, da hatten die Amerikaner die Region um Sonneberg, wozu auch Oberlind geh\u00f6rte, schon den Russen \u00fcberlassen, wechselten die drei das Domizil. \u201eDie neue Familie, die uns ein Zimmer ihrer Wohnung \u00fcberlassen musste, war zum Gl\u00fcck freundlich. Das Haus lag in Nachbarschaft zum Hof des Gro\u00dfbauern Eichhorn, mit dessen etwa gleichaltrigem Sohn Manfred wir uns rasch anfreundeten. Der Bauer mochte<br \/>\nuns nicht so sehr. aber Manfreds Gro\u00dfeltern kamen eines Tages und brachten uns ein gro\u00dfes St\u00fcck Bauernbrot mit Sirup &#8211; welch eine Delikatesse!&#8220;<br \/>\nFortan durften die kleinen Buben im Heuschober spielen, oben auf den Leiterwagen sitzen, im Obstgarten herumtoben. Und das Sirup-Brot wurde t\u00e4gliches Ritual, erwartet mit bangenden Herzen und voller Furcht, es k\u00f6nnte mal vergessen werden. Einmal gar waren Klaus und Peter zum Weihnachtsessen eingeladen. Es gab G\u00e4nsebraten und die gro\u00dfen Th\u00fcringer Kl\u00f6\u00dfe, dazu eine fette So\u00dfe. \u201eUnsere M\u00e4gen vertrugen solch schwere Kost nicht. Klaus musste sich \u00fcbergeben.&#8220;<br \/>\nIm Mai kam der Vater, schwer gezeichnet, aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zur\u00fcck. Seine Kinder hatte er zuvor nur einmal gesehen, als er 1944 nach einer Schulterverletzung auf Heimaturlaub, gewesen war. Herbert Pohlit, ein Sch\u00f6ngeist, passabler Geiger mit abgebrochenem Jura-Studium und abgeschlossener Banklehre. musste jetzt f\u00fcr Hungerlohn in der Oberlinder Eisengie\u00dferei schwere k\u00f6rperliche Arbeit tun. Zog sich seelisch immer mehr in sich zur\u00fcck.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ruth, die Puppenschmugglerin<\/b><br \/>\n\u201eOhne unsere zupackende Mutter &#8211; wer wei\u00df, was aus uns geworden w\u00e4re,&#8220; Ruth hatte mit findigem Organisationsgeist eine bescheidene Einnahmequelle entdeckt, indem sie Puppen aus der Sonneberger Manufaktur in den Westen schmuggelte, dort verkaufte und so auf dem Schwarzmarkt ein paar<br \/>\nGrundnahrungsmittel erstehen konnte. Irgendwie hatte sie es sogar geschafft ihren Buben zur Einschulung 1947 eine Schult\u00fcte zu beschaffen.<br \/>\nWirklich schlimm aber war die Ern\u00e4hrungslage. \u201eFleisch kannten wir \u00fcberhaupt nicht, selten ergatterte Mutter \u00fcbel riechende Kabeljaust\u00fccke oder Fischrogen. Oft a\u00dfen wir nur Kartoffelschalen&#8220;, berichtet Peter. \u201eRegelm\u00e4\u00dfig brachte Vater seine Essensration. Meist Graupensuppe, aus der Fabrik mit und er gab sie uns Kindern. Manchmal stahl er auch zwei Zuckerr\u00fcben auf dem Feld, &#8211; die dann zu Hause in Scheiben geschnitten und roh verzehrt wurden. Er litt sehr darunter, dass er seine Familie nicht ern\u00e4hren konnte.&#8220;<br \/>\nNoch war das Niemandsland zwischen Th\u00fcringen und der Westzone offen. wenn auch von russischen Grenzsoldaten bewacht. Das Verlassen der russischen Zone war untersagt. Vater Herbert, der zuweilen per Bahn seinen Bruder im hessischen Butzbach besuchte, galt deshalb als suspekt. Mutter &#8211; Ruth, die weitblickend die politischen Zeichen der Zeit l\u00e4ngst erkannt hatte, bereitete die Flucht auf ihre Art vor.<br \/>\nMehrfach hatte sie mit Tagesgep\u00e4ck die russischen Grenzposten passiert, um im Nachbarort angeblich die \u201eBabuschka&#8220;, die Oma, zu besuchen. \u00bbJeden dieser Besuche nutzte sie. um kleine Geldbetr\u00e4ge. die wir Kinder in den Schuhen versteckt bei uns trugen, bei Freunden zu deponieren. Die russischen Grenzer, ganz vernarrt in uns kleine Blondsch\u00f6pfe, hatten sie jedes mal scherzend abends wieder durchgewinkt.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Lagerleben an der Saale<\/b><br \/>\nAm Tag der Flucht w\u00e4re das beinahe schief gegangen, denn erstmals wurde ihr Pass einbehalten. Der Vater. Gerade wieder zur\u00fcck von einem Westbesuch machte sich, gewarnt von Nachbarn, noch am Abend mit zwei Koffern zu Fu\u00df durch den Wald auf den beschwerlichen Weg. wurde in Bayern aufgegriffen, aber zum Gl\u00fcck nicht zur\u00fcckgeschickt. In Coburg wurde die Familie vereint und im Fr\u00fchjahr 1949. nach wenigen Tagen Interim bei Freunden, ins Lager Hof-Moschendorf eingewiesen.<br \/>\n\u201eDie Zugfahrt erinnerte mich damals immer wieder an die Flucht aus Schlesien. Seitdem waren ja erst vier Jahre vergangen, und die Bilder von Fl\u00fcchtenden mit ihren wenigen Habseligkeiten lagen noch offen im Ged\u00e4chtnis. Aber wenigstens war Vater jetzt dabei&#8220;. beschreibt Klaus die Gedanken bei der Ankunft im tristen, Stacheldraht umz\u00e4unten Barackenlager, das nach Ende der Gefechte zun\u00e4chst Kriegsgefangene beherbergt und zuvor bei den Nazis wohl als Au\u00dfenstation der KZ Dachau und Flossenb\u00fcrg gedient hatte. Wie \u00fcblich, mit direkter Bahnanbindung und Gleisen, die am Lagertor endeten.<br \/>\nImmer vier Familien teilten sich eine Baracke. \u201eVon der Eingangst\u00fcr aus kam man in die Mitte des Raums, dort stand ein eiserner Ofen, der den Raum in der Mitte teilte. Links und rechts hatten sich je zwei Familien mit wollenen Decken ihre \u201eWohnungen&#8220; abgeteilt; diese bestanden aus einem Doppelstockbett und einem kleinen Vorplatz mit Tisch und zwei St\u00fchlen. Privatleben? Undenkbar. Jedes Wort Jede K\u00f6rper\u00e4u\u00dferung, jedes Ger\u00e4usch wurde registriert. Unsere Eltern m\u00fcssen furchtbar unter diesem Verzicht auf Intimsph\u00e4re<br \/>\ngelitten haben. Und das Lagerleben war \u00f6de. eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung gab es nicht. Sie haben sich in dieser Zeit sp\u00fcrbar entfremdet.&#8220;<br \/>\nKaum ertr\u00e4glich waren auch die hygienischen Verh\u00e4ltnisse; die Wasserh\u00e4hne im Gemeinschaftswaschraum spendeten nur eiskaltes Wasser; die Latrinen &#8211; Holzsitze. ohne Abtrennung auf einem langen Brett \u00fcber ausgehobenen Gruben nebeneinander gereiht waren manchmal bis fast zur Sitzfl\u00e4che gef\u00fcllt. Es stank bestialisch.<br \/>\nDie Lehrer in der Lagerschule, Kinder mehrerer Altersstufen zusammengefasst, m\u00fchten sich nach Kr\u00e4ften, ohne Schulb\u00fccher und Schreibmaterial etwas zustande zu bringen. Nicht selten herrschte noch der Kasernenhofton der Nationalsozialisten. \u201eTrotz allem machten wir Kinder uns nicht viel daraus.<br \/>\nWir waren mit der Not vertraut geworden und Entbehrung gewohnt. Daf\u00fcr lebten wir ungebunden.&#8220; Erkundigungen in die Umgebung, Abenteuerspiele rund um die Bahngleise. Und es gab<br \/>\nhier genug zu essen, einmal auch ein \u201eCare-Paket&#8220; von den Amerikanern.<br \/>\nWir waren in diesem Sommer 1949 zwei braungebrannte, lebensfrohe Buben.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>R\u00fcckkehr nach dem Mauerfall<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\nNach der BRD-Staatsgr\u00fcndung sollten allm\u00e4hlich die Lager geleert &#8222;werden. Vater Herbert hatte sich f\u00fcr Rheinland-Pfalz, der Natur und der Weinberge wegen, gemeldet. Am l. September 1950 rollte der Zug mit Aussiedlern im Landauer Hauptbahnhof ein. Zum dritten Mal waren die B\u00fcndel geschn\u00fcrt, Holzkiste&#8220; gepackt worden. Nach wenigen Wochen in der Turnhalle der Pestalozzischule wo eilig Matratzenlager zur <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Verf\u00fcgung gestellt <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> worden waren, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">durften<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> die Pohlits im November eine <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">winzige<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> Dachwohnung beziehen. Die Toilette befand sich in der Nachbarwohnung und war mit den dortigen Bewohnern zu teilen. \u201eAber endlich waren wir jetzt sesshaft.&#8220;<br \/>\n1968 war Peter Pohlit erstmals nach Hof gereist, hatte sich auf Spurensuche begeben, das. l\u00e4ngst neu bebaute ehemalige Lagergel\u00e4nde durchforscht, hatte vor Ort die Mosaiksteine aus seiner Kindheit im Kopf wieder zusammengesetzt. Und gleich nach dem Mauerfall, 1990 haben sich beide Zwillinge nach Th\u00fcringen aufgemacht, die Domizile in Oberlind aufgesucht, die Wehrkirche, die sie nach einem eindrucksvollen Musikerlebnis als F\u00fcnfj\u00e4hrige fortan nur noch mit \u201eOrgelkonzert&#8220; benannten, den Bauernhof mit den Sirupbroten und auch den Jugendfreund Manfred wiedergetroffen.<br \/>\n\u201eEs war gespenstisch. Nichts hatte sich ver\u00e4ndert. Schule und Klassensaal, die uralten M\u00f6bel, die verkratzte Wandtafel, der Putz, der von den W\u00e4nden rieselte. Es war, als sei die Zeit 40 Jahre lang stehen geblieben.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>QUELLE<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><br \/>\nPeter Pohlit\/Klaus Pohlit: \u201eStunde Null \u2013 f\u00fcr unsere Kinder&#8220;. Peter und Klaus Pohlit haben beide P\u00e4dagogik studiert und nach Zusatz Studium in Mainz ab 1971 die Realschulen Annweiler beziehungsweise Schifferstadt mit aufgebaut, denen sie als Lehrer f\u00fcr Deutsch und Biologie der eine, Chemie und<br \/>\nKunst der andere, bis zum Ruhestand treu <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">geblieben sind. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Peter ist langj\u00e4hriger freier Mitarbeiter der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">RHEINPFAL<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Z und wohnt mit seiner Familie in <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Annweiler<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">, Klaus, dessen<br \/>\ngro\u00dfes Hobby die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Kirchenm<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">usik ist, lebt in <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ha\u00dfloch<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zahlen aus dem Archiv<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Fl\u00fcchtlingswelle erreicht 1950 die Pfalz<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\nSudeten, Batschka, Schlesier, und Buchenland\u00a0 manche Stra\u00dfennamen im Landauer Horst-Viertel weisen noch hin auf ein denkw\u00fcrdiges Kapitel im gerade frisch wirtschaftswundernden Nachkriegsdeutschland. Wie weitere pf\u00e4lzische Kommunen musste auch Landau sich 1949 bereit erkl\u00e4ren. Ein Kontingent an Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten aufzunehmen; 1840 Fl\u00fcchtlinge von 36.500 insgesamt, die ab 1950 &#8211; aus Lagern in Bayern und Schleswig-Holstein &#8211; in der Pfalz unterkommen sollten.<br \/>\nHintergrund: Die erste Fl\u00fcchtlingswelle hatte das Gebiet der franz\u00f6sischen Besatzungszone, zu der auch das sp\u00e4tere Rheinland-Pfalz z\u00e4hlte, nicht erreicht, da sich Frankreich ab Sommer 1945 weigerte, Fl\u00fcchtlinge aufzunehmen und auch in den Folgejahren Abschottungspolitik betrieb. Unmittelbar nach Gr\u00fcndung der Bundesrepublik, im Sommer 1949, lie\u00df Frankreich dann die Aufnahme von Umsiedlern zu. Im Landauer Stadtrat war man \u00fcber die H\u00f6he der Zuweisung nicht erfreut, zumal man unter der eigenen Bev\u00f6lkerung<br \/>\nimmer noch rund 1000 Wohnungssuchende wusste. In den Monaten danach liefen die Bem\u00fchungen auf Hochtouren. Die Stadt unterst\u00fctzte Ausbauten von Mansarden und Nebengeb\u00e4uden, verf\u00fcgte auf gesetzlicher Grundlage Zwangsrequirierung von Wohnraum, trieb Bauvorhaben voran.<br \/>\n\u201eDas Protokoll der Stadtrats vom 31. Oktober 1950&#8243;. so informiert Dominik Veith vom Stadtarchiv Landau, \u201enennt die Zahl von 667 Fl\u00fcchtlingen, die in festen Wohnungen untergebracht waren. au\u00dferdem 93 in S\u00e4len, Krankenh\u00e4usern und Hotels.&#8220; Mit Blick auf die Einwohnerzahl hatte Landau von 1950 auf 1951 einen Zuwachs von 1751 Personen. rund 1000 mehr als in den unmittelbaren Vorjahren, so die Chroniken jener Zeit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Hinter den Zahlen: Menschen<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">\u201eDie Flichtling kumme&#8220;: Willkommen waren wir nicht<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n\u201eVon klein <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">auf<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> waren wir ja Zugv\u00f6gel, ans Vagabundieren gew\u00f6hnt, W<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">a<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ren jetzt gespannt <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">a<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">uf dieses letzte Domizil L<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">a<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">ndau, vor allem auf die Weinberge, die wir uns vorstellten als riesige Anh\u00f6hen mit gro\u00dfen B\u00e4umen, von deren \u00c4sten Trauben herabhingen&#8220;, erinnern sich die Br\u00fcder Pohlil. Zuweilen ziehen die <\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">beiden<\/span><\/span><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> 79-J\u00e4hrigen schon mal Parallelen zur aktuellen Fl\u00fcchtlingslage, k\u00f6nnen sich vorstellen, wie sich heutzutage Ank\u00f6mmlinge aus Syrien oder Afghanistan f\u00fchlen m\u00f6gen. \u201eUnd wir konnten uns ja immerhin verst\u00e4ndigen.&#8220;<br \/>\nDie meisten angestammten Einwohner waren bem\u00fcht. \u201eAber wir waren halt die \u201eFlichtling&#8220;, man sah es an unserer Kleidung, den abgetragenen Schuhen, h\u00f6rte es am fremdartigen Zungenschlag. In Th\u00fcringen waren wir die \u201eZigeuner&#8220; gewesen: \u201eGeht zur\u00fcck, wo sie hergekommen seid ! &#8220; Und hier die Habenichtse.&#8220;<br \/>\n\u201eBed\u00fcrftige Kinder, so auch wir, nahmen an der Schulspeisung teil. Wir lie\u00dfen die alten Milit\u00e4rgeschirre des Vaters mit Kakao, Rosinenbrei oder s\u00fc\u00dfen Milchnudeln f\u00fcllen. Und sch\u00e4mten uns immer schrecklich, wenn wir in den Pausen da sa\u00dfen als die armen Schlucker.&#8220;<br \/>\nWer kein Fahrrad hat, kann keinen Aufsatz schreiben.<br \/>\nKlaus Pohlit erinnert sich eines Aufsatzthemas zu Beginn der Gymnasialzeit, das f\u00fcr die Br\u00fcder mit schlechten Zensuren beschieden wurde. \u201eWir sollten beschreiben, wie man einen Fahrradreifen fachgerecht flickt. Und wir waren tats\u00e4chlich die einzigen ahnungslosen ,Exoten&#8216; in der Klasse. Wie auch &#8211; hatten wir doch nie auf einem Zweirad gesessen, geschweige denn eines besessen.&#8220; Was die Lehrerin allerdings wenig beeindruckte.<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/sabines-erinnerungen\/\"><strong>Sabines Erinnerungen<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/walter-radek\/\"><strong>Walter Radek<\/strong><\/a> und <a href=\"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/ursula-radek\/\"><strong>Ursula Radek geb. Nadolny<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Familie Radek-Nadolny wie die Ostpreu\u00dfen nach Wolfstein\u00a0 kamen. &gt; Ein Beispiel Die Schlesier (Pohlit) nach Landau (ein Artikel aus der RHEINPFALZ vom 21.11.2020) Ein letztes Mal den kargen Hausstand zusammenpacken: F\u00fcr die Zwillingsbr\u00fcder Peter und Klaus Pohlit endete eine f\u00fcnfj\u00e4hrige Odyssee der fr\u00fchen Nachkriegsjahre 1950 mit dem Eintreffen in der Pfalz. Und sie sind &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/familie-walter-radek\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eFamilie Walter Radek\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-287","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/287","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=287"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/287\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1825,"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/287\/revisions\/1825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/siebler-radek.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}